• Bild galvaniserter Kunsstoff im Auto, Freisprechanlage
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Was haben die deutschen Kunststoffgalvaniken zur Erlangung einer Zulassung/Autorisierung von Chromtrioxid – Cr(VI) – getan?

Visualisierung des chemischen Periodensystems
Periodensystem

Die deutschen Kunststoffgalvaniken haben sich über mehrere internationale und nationale Konsortien (CTAC, Vecco e.V. und FGK) aktiv am Zulassungsprozess beteiligt, da während zweier Prozessschritte in der Galvanik Cr(VI)-haltige Stoffe verwendet werden. Diese Schritte sind die Konditionierung des Kunststoffes, um dessen Oberfläche elektrisch leitfähig zu machen und die eigentliche Verchromung, also das Aufbringen der finalen Metallschicht auf das Teil. Hervorzuheben ist, dass das Endprodukt keine Cr(VI)-haltigen Verbindungen enthält, sondern diese ausschließlich im Prozess zum Einsatz kommen.

Der CTAC-Antrag wurde von den Importeuren von Chromtrioxid gestellt und umfasst alle Anwendungen der Oberflächentechnik europaweit (vom Formulieren, über Hartverchromen, dekorative Beschichtungen bis hin zu Passivierungsschichten), bei denen Chromtrioxid verwendet wird. Von den im FGK organisierten Kunststoffgalvaniken wurde ein eigener Zulassungsantrag erstellt, der sehr spezifisch auf die automotiven Anwendungen der dekorativen Beschichtung im Interieur und Exterieur ausgerichtet ist.

Wie ist der Stand?

Nach Bewertung des im Jahr 2016 eingereichten FGK-Antrags durch die relevanten Gremien der ECHA sollte im Frühjahr 2019 durch die EU-Kommission über ihn entschieden werden. Zu dieser Entscheidung ist es allerdings nicht gekommen, da der Europäische Gerichtshof (EUGH) in einem anders gelagerten Fall, der nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem FGK-Antrag steht, eine Autorisierung als rechts­widrig eingestuft hat, weil die Beurteilung der Verfügbarkeit von möglichen Alternativen nicht entsprechend der EU-Vor­gaben durchgeführt worden wäre.

Zusätzliche Forderung eines Substitutionsplans

Als Konsequenz aus dem EUGH-Urteil, hat die EU-Kommission nun für diverse Autorisierungsanträge (nicht nur für Chromtrioxid) die nachträgliche Einreichung eines Substitutionsplanes eingefordert. Es handelt sich dabei um einen Zeit-/Projektplan der den Weg bis zum potenziellen Ersatz des zu auto­ri­sie­renden Stoffes darstellt. Das FGK-Konsortium hat im Mai 2020 die offizielle Auf­forderung erhalten, einen solchen Substitutions­plan bis November 2020 zu erstellen und bei der ECHA einzureichen. Dieser wird bereits innerhalb einer Arbeitsgruppe des FGK erarbeitet. Gleiches machen die weiteren betroffenen Antragsteller.

Evaluierung von Alternativen

Die FGK-Unternehmen beteiligen sich aktiv an der Evaluierung von Alternativen zu Chromtrioxid in den beiden relevanten Prozessschritten. Der FGK hat sich frühzeitig mit der dreiwertigen Verchromung beschäftigt und mit den dabei gewonnen Erkenntnissen die Entwicklung der Verfahren maßgeblich beeinflusst. Mittlerweile bieten erste FGK-Unternehmen ihren Kunden Oberflächen aus Chrom(III)-Verfahren an; die übrigen planen die dafür notwendigen umfang­reichen Anlagenumbauten und werden diese sicher innerhalb des erwarteten Autorisierungs­zeit­raums um­setzen.

Ebenso hat der FGK schon früh intensiv die Eignung alternativer Vorbehandlungs- bzw. Kondi­tionierungs­verfahren für die gebräuchlichen Kunst­stoffsubstrate, Materialkombinationen und Teilegeometrien in den eigenen Unternehmen und gemeinsam mit Formulierern unter­sucht. Bisher sind die Ergebnisse der um­fang­reichen Reihenversuche nicht zufriedenstellend und die Umsetzbarkeit in eine verfahrenssichere industrielle Fertigung ist noch nicht absehbar. Sobald sich Alternativen als geeignet für den großtech­nischen Einsatz erwiesen haben, werden auch hier die notwendigen Anlagenumbauten geplant und umgesetzt werden. Die notwendigen Schritte und Zeitbedarfe bis dahin werden entsprechend im Sub­stitu­tions­plan berücksichtigt.

Wie geht es weiter?

Voraussichtlich bis Mitte 2021, wenn eine Beurteilung des vom FGK-Konsortium eingereichten Plans durch die ECHA vorliegt, wird sich die EU-Kommission dann wieder mit dem Autorisierungsantrag befassen. An der grundsätzlichen Einschätzung, dass der FGK-Antrag genehmigt werden wird, ändert sich auch durch die vielen Verzögerungen nichts, da sie nicht ursächlich etwas mit den Antragsinhalten zu tun haben, sondern im Wesentlichen auf verfahrenstechnisch formalen Gründen beruhen.

Der Autorisierungsantrag wurde von den Gremien der ECHA bereits positiv beurteilt und mit dem Sub­stitu­tionsplan geben die Antragsteller ein zusätzliches Commitment ab, Chromtrioxid aus ihren Pro­duktions­prozessen zu entfernen, sobald geeignete Alternativen marktreif verfügbar sind. Innerhalb desselben Zeitrahmens werden auch die Entscheidungen zu den anderen Autorisierungs­anträgen (z. B. von CTAC, Vecco e.V. u. a.) erwartet.

Weitere Informationen gewünscht?

Wenn Sie weitere Informationen zum Stand der Autorisierung von Chromtrioxid in der Kunststoffgalvanik oder den Cr(VI)-freien Alternativen wünschen, wenden Sie sich gerne an unsere Geschäftsstelle oder direkt an unseren Automotive Manager.

Kontakt:

Fachverband Galvanisierte Kunststoffe e.V.
Postfach 10 10 63
40710 Hilden

Tel.: +49 2103 25 56 10
Fax: +49 2103 25 56 15

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Automotive Manager
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